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EstateGuru Erfahrungen

C · 6,0
Am besten fürImmobilien-Besicherung
ECSP-lizenziertZweitmarktAusfälle in Verwertung
Zuletzt aktualisiert:
Zur Plattform
9,4 %
Ø Nettorendite p. a.
2014
Gegründet
mittel-hoch
Risikoprofil

Bewertung im Detail

Datenlage: gut · Stand 14.06.2026
Sicherheit & Regulierung30 %
6,5
Transparenz25 %
7,0
Track Record & Stabilität20 %
4,5
Rendite & Konditionen15 %
5,0
Anlegerfreundlichkeit & Liquidität10 %
6,5

Wie wir bewerten

Unsere Einschätzung

EstateGuru ist Europas bekannteste Plattform für immobilienbesicherte P2P-Kredite: Über 850 Mio. € hat die estnische Plattform seit 2014 an Bauträger und kleine Unternehmen vermittelt, besichert durch eingetragene Grundpfandrechte. P2P-Investments.de bewertet EstateGuru mit C (6,0/10). Die Stärken sind real: eine EU-Lizenz, echte Besicherung und eine ungewöhnlich offene Statistik. Sie stehen aber einem schweren, überwiegend selbst verursachten Ausfall-Schock gegenüber.

Was ist EstateGuru und für wen lohnt sich die Plattform?

Statt unbesicherter Konsumkredite finanziert man bei EstateGuru kurzlaufende Immobilienkredite — Brücken- und Entwicklungsfinanzierungen im Baltikum und (historisch) in Deutschland. Jeder Kredit ist mit einer Immobilie besichert, überwiegend erstrangig, mit einem Ziel-Beleihungsauslauf (LTV) bis rund 75 %. Die Mindestanlage liegt bei 50 €, ein konfigurierbares Auto-Invest und ein Zweitmarkt sind vorhanden, die Oberfläche gibt es auf Deutsch.

Das Sicherungskonzept ist der entscheidende Unterschied zu reinen Konsumkredit-Marktplätzen: Fällt ein Kredit aus, steht dahinter ein realer Vermögenswert. Genau hier liegt aber auch die Schwäche der Plattform — denn die Verwertung dieser Sicherheiten hat sich als langsam und nur teilweise werthaltig erwiesen.

Wie wir EstateGuru bewerten

Wir bewerten fünf Kriterien mit festen Gewichten. Die sichtbare Aufschlüsselung oben fasst die Punkte zusammen; hier die Begründung mit Belegen (Stand Juni 2026).

Sicherheit & Regulierung (6,5/10). EstateGuru hält eine im Register der estnischen Finanzaufsicht verifizierbare ECSP-Lizenz (Beschluss Nr. 4.1-1/48, seit Mai 2023), die EU-weit gilt. Strukturell ist das Sicherungsmodell überdurchschnittlich: erstrangige Grundpfandrechte mit LTV-Deckel statt unbesicherter Forderungen. Einen Buyback gibt es nicht — der Schutz beruht allein auf der Immobilie. Dass die in 2021–2022 vergebenen Kredite (vor allem in Deutschland) deutlich schwächer besichert waren, als die Bewertungen nahelegten, ist ein struktureller Underwriting-Mangel, der die Note drückt.

Transparenz (7,0/10). Hier ist EstateGuru stark — gerade weil die Zahlen unbequem sind. Die Plattform veröffentlicht eine granulare Ausfall- und Recovery-Statistik je Land und Jahrgang und kommuniziert die Probleme proaktiv. Der Konzernabschluss 2024 ist von KPMG Baltics geprüft, Eigentümer (Gründer Marek Pärtel, ~46 %) und Management sind offengelegt. Abzug für zwei Dinge: Der Bestätigungsvermerk 2024 ist eingeschränkt (Streit um die Bewertung von Mitarbeiter-Aktienoptionen, nicht ums Kreditportfolio), und der Abschluss 2023 musste nachträglich korrigiert werden, weil fällige Abschreibungen zunächst nicht gebucht waren.

Öffentliche Ausfallstatistik von EstateGuru mit Aufschlüsselung nach Status: zurückgezahlt, finanziert, in Einholung, verspätet und abgeschrieben, jeweils mit Betrag und Prozentanteil
Auszug aus der öffentlichen Ausfall- und Recovery-Statistik von EstateGuru: jeder Kredit-Status mit Betrag und Anteil am Gesamtportfolio.

Track Record & Stabilität (4,5/10). Das schwächste Kriterium. EstateGuru ist seit über zehn Jahren am Markt und hat 2024 erstmals einen kleinen Gewinn ausgewiesen. Dem steht ein massiver Ausfall-Stau gegenüber: Zum August 2025 standen rund 133,6 Mio. € — über 60 % des Portfolios — im Recovery, davon etwa 78 Mio. € in Deutschland. Von den für 2024 angekündigten 38 Mio. € Recovery wurden nur rund 13 Mio. € tatsächlich realisiert; die Verwertung dürfte in Deutschland 3 bis 5 Jahre dauern. Anders als bei externen Schocks (Krieg, Pandemie) ist dieser Schaden überwiegend selbst verursacht — eine interne Untersuchung des deutschen Teams und mehrere Führungswechsel gehören zum Bild. Positiv: Auszahlungen aus gesunden Krediten laufen weiter, das Neugeschäft ist auf das Baltikum fokussiert und qualitativ deutlich besser (Jahrgänge 2023–2024 zu ~99,5 % planmäßig).

Rendite & Konditionen (5,0/10). Die beworbenen rund 10 % p. a. sind für besicherte Immobilienkredite marktüblich und kein auffälliger Hochzins. Die real erzielte Rendite vieler Bestandsanleger liegt durch die Ausfälle aber deutlich darunter. Dazu kommt ein dichtes Gebührenraster — 0,96 % p. a. Verwaltungsgebühr (seit Oktober 2023), Auszahlungs- und Inaktivitätsgebühren —, das besonders kleine oder ruhende Depots schmälert. Mehr zur Einordnung von Rendite und Risiko im Wissensartikel Rendite und Risiken von P2P-Krediten.

Anlegerfreundlichkeit & Liquidität (6,5/10). Niedrige Einstiegshürde (50 €), deutschsprachige Oberfläche, konfigurierbares Auto-Invest und ein vorhandener Zweitmarkt machen die Plattform gut nutzbar. Zwei Einschränkungen: Die Sofort-Verkauf-Option kostet einen steilen Abschlag, und notleidende Kredite lassen sich faktisch nicht liquidieren — die Liquidität ist also genau dann gering, wenn man sie braucht.

Datenlage und offene Punkte

Unsere Note beruht auf 20 von 25 Prüffragen, die sich aus belastbaren Quellen beantworten ließen — Datenlage: gut. EstateGuru ist eine der transparentesten Plattformen der Branche, und das nützt der Bewertung: Die Probleme sind belegbar, nicht vermutet. Offen bleibt vor allem, wie viel des im Recovery befindlichen Kapitals am Ende tatsächlich zurückfließt — diese Frage entscheidet sich erst über die nächsten Jahre in den Verwertungs- und Insolvenzverfahren. Den eingeschränkten Bestätigungsvermerk und die Bilanzkorrektur benennen wir offen, auch wenn sie das Kreditportfolio nicht direkt betreffen.

Für wen eignet sich EstateGuru?

EstateGuru ist etwas für erfahrene Anleger, die das Immobilien-Segment bewusst beimischen und die Mechanik besicherter Kredite — inklusive langer Verwertungszeiten — verstehen und akzeptieren. Wer Wert auf eine reale Sachwert-Besicherung und maximale Datenoffenheit legt, findet hier beides. Wer hier investiert, sollte den aktuellen Ausfall-Stau kennen, das Neugeschäft vom Altbestand trennen und den Betrag klein halten. Wie bei jeder P2P-Anlage gilt: nur Geld investieren, dessen zeitweisen oder dauerhaften Ausfall man verschmerzen kann, und über mehrere Plattformen streuen. Die Grundlagen dazu erklärt unser Wissensartikel P2P-Kredite: Grundlagen; eine Einordnung im Marktumfeld gibt die Plattform-Übersicht.

Stärken

  • Kredite sind durch Immobilien besichert (überwiegend erstrangige Grundpfandrechte, Ziel-LTV bis ~75 %)
  • Hohe Datenoffenheit: KPMG-testierter Konzernabschluss und granulare öffentliche Ausfall-/Recovery-Statistik
  • ECSP-Lizenz der estnischen Finanzaufsicht (EU-weit gültig); 2024 erstmals knapp profitabel

Schwächen

  • Über 60 % des Portfolios stehen im Recovery — ~78 Mio. € allein in Deutschland ausgefallen, Verwertung über 3–5 Jahre
  • Eingeschränkter Bestätigungsvermerk 2024 und nachträgliche Korrektur (Restatement) des Abschlusses 2023
  • Dichtes Gebührenraster (0,96 % p. a. Verwaltung, Inaktivitäts- und Auszahlungsgebühren) zehrt an der Nettorendite

Risikoprofil: mittel-hoch

Geeignet als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio. Investiere nur einen Teil deines Kapitals und streue zusätzlich über mehrere Plattformen. Die Inhalte auf dieser Seite dienen lediglich der Information und stellen keine Anlageberatung dar.

Häufige Fragen

Ist EstateGuru seriös und reguliert?

EstateGuru ist als europäischer Crowdfunding-Dienstleister (ECSP) zugelassen und untersteht der estnischen Finanzaufsicht Finantsinspektsioon (Beschluss Nr. 4.1-1/48, seit Mai 2023). Die Lizenz gilt EU-weit. Eine Aufsichtsmaßnahme gegen die Plattform ist nicht bekannt — die größte Belastung ist nicht die Regulierung, sondern der Ausfallstau im Altbestand.

Wie hoch ist die Rendite bei EstateGuru realistisch?

Beworben werden rund 10 % p. a. für besicherte Immobilienkredite — ein für das Segment angemessenes Niveau. Die real erzielte Rendite vieler Bestandsanleger liegt wegen der Ausfälle aus den Jahren 2021–2022 deutlich darunter, teils nahe null oder negativ. Kredite jüngerer Jahrgänge (2023–2024) laufen dagegen zu rund 99,5 % planmäßig.

Welche Risiken hat EstateGuru?

Das Kernrisiko ist der Kreditausfall mit anschließend langwieriger Verwertung. Zum August 2025 standen rund 133,6 Mio. € (über 60 % des verwalteten Portfolios) im Recovery, davon etwa 78 Mio. € in Deutschland. Die Immobilienbesicherung federt Verluste ab, garantiert aber keine vollständige Rückzahlung — und die Verwertung dauert in Deutschland erwartungsgemäß 3 bis 5 Jahre.

Welche Gebühren fallen bei EstateGuru an?

Seit Oktober 2023 erhebt EstateGuru eine Verwaltungsgebühr von 0,96 % p. a. auf das investierte Kapital, dazu eine Auszahlungsgebühr (3 €), eine Inaktivitätsgebühr (10 €/Monat nach 12 Monaten ohne Aktivität) sowie eine Zweitmarktgebühr von rund 1–3 %. Besonders kleine oder ruhende Depots werden dadurch belastet.

Gibt es bei EstateGuru einen Zweitmarkt?

Ja. Anleger können Kreditanteile über den Zweitmarkt verkaufen (Gebühr ~1–3 %) oder eine Sofort-Verkauf-Option mit deutlichem Abschlag nutzen. Für gesunde Kredite funktioniert das; notleidende Positionen lassen sich faktisch kaum liquidieren.

EstateGuru vs. Mintos - welche Plattform ist besser?

Kommt auf das Segment an. Mintos ist der breit gestreute Marktführer mit MiFID-II-Lizenz, Hunderten von Kreditgebern und einem funktionierenden Zweitmarkt bei rund 11 % realisierter Rendite. EstateGuru ist auf immobilienbesicherte Kredite spezialisiert - ein anderes Risikoprofil (Sachwert-Besicherung statt Konsumkredit-Diversifizierung), ECSP-lizenziert und bei rund 10 % Rendite. Der entscheidende Unterschied: EstateGuru trägt einen erheblichen Ausfall-Stau aus 2021-2022, der noch nicht aufgelöst ist. Wer breite Streuung und einen liquiden Zweitmarkt priorisiert, wählt Mintos; wer gezielt immobilienbesicherte Kredite beimischen will, findet bei EstateGuru ein durchdachtes, wenn auch belastetes Angebot. Mehr im Plattform-Vergleich.

EstateGuru vs. InRento - welche P2P-Immobilienplattform ist besser?

Beide sind ECSP-lizenzierte Immobilienplattformen mit erstrangiger Grundpfandrechts-Besicherung, doch mit unterschiedlichen Ansätzen. EstateGuru (seit 2014) finanziert Brücken- und Entwicklungskredite und bietet mehr Markthistorie und einen Zweitmarkt - trägt aber einen erheblichen Ausfall-Stau aus dem Altbestand. InRento (seit 2020) ist auf vermietete Bestandsimmobilien mit monatlichen Mieterträgen spezialisiert, weist bislang null Ausfälle auf, ist aber jung und noch nicht in einem Abschwung getestet. Mehr zu beiden Plattformen im Plattform-Vergleich.

Welche ist die beste P2P-Plattform für Immobilienkredite?

Im deutschsprachigen P2P-Markt sind EstateGuru und InRento die bekanntesten lizenzierten Optionen für immobilienbesicherte Kredite. EstateGuru ist die ältere, größere Plattform mit ECSP-Lizenz und Zweitmarkt; sie kämpft aber mit einem erheblichen Ausfall-Stau aus 2021-2022. InRento bietet einen cleveren Buy-to-Let-Ansatz mit monatlichen Mieterträgen und bislang makellosem Ausfallrekord - ist aber jung und ungetestet in einem Abschwung. Wer breite Streuung und liquide Märkte bevorzugt, findet bei Mintos auch Immobilienkredite als Beimischung. Alle Optionen im Plattform-Vergleich.